Die Geschichte des Arbeitsschutzes Ein Stück Geschichte: Der lange Weg zur Arbeitssicherheit

Haben wir es gut heute: Die Gewährleistung einer sicherheitstechnischen Betreuung und arbeitsmedizinischer Vorsorgemaßnahmen ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg. Ein Rückblick zu den Anfängen des Arbeitsschutzes.

  • 06.03.2020
  • Katharina Bonn

Wir befinden uns in Deutschland in der privilegierten Situation, gut von unserem Gesetzgeber geschützt zu werden. Als Arbeitgeber weißt du, dass dem Wohlergehen und der Gesundheit deiner Mitarbeiter ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Du bist dazu verpflichtet, potenzielle Risiken im Vorweg auszuschließen und die Arbeitsmedizin sowie die Arbeitssicherheit durch verschiedene Maßnahmen aufrecht zu erhalten. Das war jedoch nicht immer so. Die Anfänge des Arbeitsschutzes führen uns zurück in die Zeit der Industrialisierung.

Exkurs: Welche Bedeutung hatte die Industrialisierung?

Wir schreiben das Jahr 1764. James Hargreaves aus England ahnte damals wohl nicht, dass seine Erfindung, die er auf den Namen „Spinning Jenny“ taufte, die Welt für immer verändern würde. Bei der „Spinning Jenny“ handelte es sich um die erste industrielle Spinnmaschine. Das Besondere: Bei der Maschine arbeiteten etwa 100 Spindeln gleichzeitig. Damit konnte sie die Arbeit von acht Spinnerinnen und Spinnern sowie einem Weber ausführen. Somit hatte Hargreaves eine Maschine erfunden, die die Produktivität und somit auch den Profit erheblich steigern konnte. Nicht nur für die Textilindustrie war diese Erfindung revolutionär. Nach der „Spinning Jenny“ hielten mehr und mehr Maschinen in den Betrieben und der Landwirtschaft Einzug und ersetzten die manuelle Arbeit. Die Stunde der Massenproduktion hatte geschlagen. Es folgte der Bau von Dampfschiffen und die Erschließung von Eisenbahnnetzen sowie die Erfindung des Autos. Somit war es möglich, Waren schnell von A nach B zu transportieren und global zu handeln.

Die „Spinning Jenny“ revolutionierte das Arbeitsleben nachhaltig. © Shutterstock, Morphart Creation
Von der „Spinning Jenny“ zur Industrialisierung: Die Arbeitssicherheit war anfangs überhaupt nicht gegeben. © Shutterstock, Morphart Creation

Welche Auswirkung hatte die Industrialisierung auf die Arbeitsbedingungen?

Soweit, so gut. Doch wie sah es mit den damaligen Arbeitsbedingungen aus? Mit den technischen Fortschritten entstand auch eine neue gesellschaftliche Klasse: die der Lohnarbeiter. Da für die Tätigkeiten in Fabriken keine besondere Ausbildung vonnöten war, wurden damals auch Kinder eingestellt. Im Jahr 1839 gab es vonseiten Preußens eine erste Regelung, die besagte, dass Kinder unter neun Jahren nicht arbeiten durften. Außerdem wurde die Stundenzahl für Arbeiter bis 16 Jahren auf zehn Stunden am Tag beschränkt. Trotzdem blieben die Arbeitsbedingungen absolut katastrophal. Wenn ein Arbeiter einen Arbeitsunfall hatte, war er nicht abgesichert und verlor seinen Lohn in der Folge. Die einzige Möglichkeit, eine Entschädigung einzufordern? Man musste seinem Arbeitgeber nachweisen können, dass der Arbeitsunfall dessen Verschulden war. Dies gelang allerdings nur in den allerseltensten Fällen. Ein kleiner Lichtblick: Im Jahr 1872 wurde ein Verein zur Überwachung der Dampfkessel von Unternehmern gegründet. Der Zweck des Vereins war zunächst die Sicherung der Produktionsanlagen. Er mauserte sich allerdings schnell zum Vorläufer des uns heute bekannten TÜVs und hatte die Aufgabe, hoheitliche Sicherheitsinspektionen durchzuführen.

Ein erster Meilenstein: Die gesetzliche Krankenversicherung der Arbeiter

Im Jahr 1883 wurde ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Arbeitsschutzes erreicht. Am 15. Juni 1883 wurde im Reichstag ein Gesetz zur Krankenversicherung der Arbeitgeber auf den Weg gebracht. Das Gesetz beinhaltete erstmals wichtige Leistungen wie Krankengeld, eine ärztliche Behandlung (auch im Krankenhaus) und Sterbegeld.

Nur ein Jahr später, am 06.07.1884, wurde das Unfallversicherungsgesetz und mit ihm eine Unfallrente, medizinische Heilbehandlung und Maßnahmen zur Unfallverhütung beschlossen. Nun gab es eine kollektive Haftpflichtversicherung für Unternehmer, die eine private Versicherung jedes einzelnen Arbeitgebers überflüssig machte. Die Träger des Gesetzes waren die neu gegründeten Berufsgenossenschaften. Vor dieser gesetzlichen Änderung waren es zum einen örtliche Kommissionen und zum anderen Fabrikinspektoren, die für die Überprüfung der Arbeitssicherheit zuständig waren. Zu diesem Zeitpunkt war diese leider immer noch mangelhaft.

Ob für Frauen, Männer oder Jugendliche: Die Arbeitsbedingungen waren früher besonders hart. © Shutterstock, Everett Collection
1891 wurde beschlossen, dass Frauen nicht länger als 11 Stunden pro Tag arbeiten sollten. © Shutterstock, Everett Collection

Welche weiteren Entwicklungen gab im 19. Jahrhundert noch?

In den folgenden Jahren nach dem Erlass der beiden Gesetze befand sich der Arbeitsschutz weiterhin im Entwicklungsprozess.

  • Während es Kaiser Wilhelm dem Zweiten wichtig war, den Arbeitsschutz weiter voranzubringen, steuerte Bismarck dagegen. Der Grund: Er sah wirtschaftliche Nachteile in Verbindung mit diesem Vorhaben.
  • Im Jahr 1890 fand eine internationale Arbeitsschutzkonferenz in Berlin statt. Es nahmen 14 Staaten teil, allerdings wurde nichts Konkretes beschlossen.
  • 1891 beschloss der Preußische Staatsrat, dass der Arbeitsschutz ausgebaut werden sollte. Dazu gehörte die Abschaffung der Sonntagsarbeit, Kinder unter 13 sollte nicht mehr in Fabriken arbeiten, Jugendliche unter 16 nicht länger als 10 Stunden pro Tag und Frauen nicht mehr als 11. Außerdem wurde die Nachtarbeit für Frauen und Arbeiter unter 16 abgeschafft. Für die Einhaltung dieser Auflagen sorgte die staatliche Gewerbeaufsicht.

Arbeitsschutz in den Zeiten der Weltkriege

So lange es gedauert hatte, Gesetze und Fortschritte im Bereich des Arbeitsschutzes zu erwirken, so schnell wurden diese durch den Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 wieder zunichte gemacht. Der Arbeitsschutz für Frauen, Jugendliche und Kinder galt ab jetzt nicht mehr. Es wurden Doppelschichten à 12 Stunden sowie die Sonntagsarbeit wieder eingeführt. Nach Ende des Krieges wurden die Bestimmungen zum Arbeitsschutz jedoch wieder eingeführt und verschärft. Sogenannte Unfallvertrauensmänner und Sicherheitsingenieure hatten die Aufgabe, für die Aufrechterhaltung der Arbeitssicherheit zu sorgen. Schließlich wurde auch der uns heute bekannte Acht-Stunden-Arbeitstag vom Rat der Volksbeauftragten eingeführt.

Übrigens: Wusstest du, dass der bekannte Schriftsteller Franz Kafka ein wahrer Verfechter der Arbeitssicherheit war? Er war bei einer Arbeiterunfallversicherungsanstalt in Prag angestellt und setzte sich in diesem Zuge mit den technischen Risiken und Gefährdungen auseinander, die die Arbeit an Holzhobelmaschinen mit sich brachte.

Ein weiteres wichtiges Datum in der Geschichte des Arbeitsschutzes war der 06.05.1933. Damals wurde die Deutsche Arbeitsfront, kurz DAF, gegründet und ersetzte die Gewerkschaften. Sie plädierte für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz und eine betriebliche Sozialpolitik.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Arbeitsschutz und die dazugehörigen Richtlinien wieder vernachlässigt. Genau wie beim Ersten Weltkrieg wurden die entsprechenden Gesetze nach 1945 jedoch wieder aufgenommen und waren darüber hinaus ein wichtiges Thema im Wahlkampf.

Heute sind Betriebsärzte eine Selbstverständlichkeit, das war allerdings nicht immer so. © Shutterstock, Everett Collection
Mit der Erlassung des Arbeitssicherheitsgesetzes gab es erstmals zuständige Betriebsärzte für die Mitarbeiter. © Shutterstock, Everett Collection

Wann wurde das Arbeitssicherheitsgesetz erlassen?

Ein Gesetz, das noch heute eine große Rolle bei der sicherheitstechnischen Betreuung deiner Mitarbeiter spielt, ist das Arbeitssicherheitsgesetz. Es ist im Jahr 1973 erlassen worden und beschreibt die gesetzliche Verpflichtung des Arbeitgebers, einen Betriebsarzt und eine Fachkraft für Arbeitssicherheit einzustellen. Beide Positionen haben die Aufgabe, dich als Unternehmer dabei zu unterstützen, deinen Mitarbeitern ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen. Dies wird dadurch gewährleistet, dass potenzielle Risiken frühzeitig erkannt, Gegenmaßnahmen getroffen und arbeitsmedizinische Leistungen in Form von Vorsorgeuntersuchungen angeboten werden. Außerdem muss es in jedem Unternehmen einen Sicherheitsbeauftragten geben. Dabei handelt es sich um einen Mitarbeiter, der die Fachkraft für Arbeitssicherheit, den Betriebsarzt und natürlich auch dich bei der Einhaltung aller wichtigen Maßnahmen unterstützt.

Der nächste Meilenstein: Das Arbeitsschutzgesetz

Neben dem Arbeitssicherheitsgesetz spielt auch das Arbeitsschutzgesetz eine wesentliche Rolle. Es wurde 1996 ins Leben gerufen und das zentrale Element des Gesetzes ist die Gefährdungsbeurteilung. Dabei handelt es sich um die Analyse aller potenziellen Gefahren, denen deine Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz, durch Arbeitsstoffe und -werkzeuge ausgesetzt sind. Weitere Risikofaktoren können falsche oder mangelhafte Anweisungen in Verbindung mit der Arbeitstätigkeit sowie chemische oder physikalische Einflüsse sein. Wichtig für dich als Unternehmer: Eine Gefährdungsbeurteilung muss durchgeführt werden, bevor deine Mitarbeiter eine Tätigkeit zum ersten Mal ausführen. Auch wenn eine Mitarbeiterin dir mitteilt, dass sie schwanger ist, gilt es einiges zu beachten. Mehr darüber erfährst du in diesem Beitrag.

Neben körperlichen Gefährdungen spielt auch die psychische Belastung am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. © Shutterstock, Prostock-studio
Seit 2013 werden auch mögliche psychische Belastungen mit in die Gefährdungsbeurteilung aufgenommen. © Shutterstock, Prostock-studio

Welche Gefährdungen kamen im 21. Jahrhundert dazu?

Neben den oben beschriebenen Gefahren, die eine Arbeitstätigkeit mit sich bringen kann, wurden psychische Belastungen erst recht spät als gesundheitliche Gefährdung der Arbeitnehmer anerkannt. Erst im Jahr 2013 wurden diese ins Arbeitsschutzgesetz aufgenommen. Seitdem müssen auch psychisch belastende Faktoren im Zuge einer Gefährdungsanalyse beschrieben werden. Dazu können Arbeitsaufgaben, soziale Faktoren, die Arbeitsumgebung sowie die Organisation der Arbeit gehören.

So sieht der Arbeitsschutz heutzutage aus

Zusammenfassend kann man sagen, dass seit der Industrialisierung und vor allem im letzten Jahrhundert viel passiert ist. Wie wir gesehen haben, haben Arbeitnehmer heutzutage viele Rechte und ihr Schutz ist keine Nebensache mehr. Wir von der Deutschen Mittelstandsschutz helfen dir dabei, deinen gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen. Wir unterstützen dich bei der Bestellung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit und eines Betriebsarztes. Auch wenn sich die Betriebsgenossenschaft für eine Betriebsbegehung angekündigt hat, kannst du uns gerne kontaktieren.

Beitragsbild: © Shutterstock, Vyntage Visuals

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