Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastungen So wirkst du psychischen Belastungen am Arbeitsplatz entgegen

Wenn wir an Risiken am Arbeitsplatz denken, kommen uns zunächst Faktoren wie Arbeitsmittel und die Gestaltung des Arbeitsplatzes in den Kopf. Allerdings können auch psychische Belastungen die Gesundheit deiner Mitarbeiter gefährden.

  • 16.06.2020
  • Katharina Bonn

Hast du schon einmal etwas von der lateinischen Redewendung “Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper” gehört? Wie es bei vielen Redensarten der Fall ist, steckt auch in dieser ein wahrer Kern. Unser Wohlbefinden basiert nicht nur auf unserer körperlichen Gesundheit, sondern eben auch auf unserer mentalen Verfassung. Auch bei der Arbeit ist das Thema Gesundheit essentiell, denn das Wohlergehen und die Sicherheit deiner Mitarbeiter darf durch ihre Tätigkeit nicht gefährdet werden. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns heute besonders intensiv mit den psychischen Belastungsfaktoren, die ein Arbeitsplatz bergen kann und mit welchen Maßnahmen du diesen entgegenwirken kannst.

Psychische Erkrankungen 2000-2018
Laut DAK fehlte 2018 jeder 18. Arbeitnehmer in Deutschland wegen einer psychischen Erkrankung im Job. Hochgerechnet sind rund 2,2 Millionen Menschen betroffen.

Was versteht man unter einer Gefährdungsbeurteilung?

Laut dem Arbeitsschutzgesetz bist du als Unternehmer dazu verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung für die Arbeitsstätte und jeden einzelnen Arbeitsplatz zu erstellen. Wie der Name nahelegt, geht es bei der Beurteilung darum, Gefährdungen am Arbeitsplatz zu erkennen, um im nächsten Schritt entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Eine Gefahrenanalyse muss bestehen, bevor die Arbeitstätigkeit aufgenommen wird, und das gilt auch bei einer Gefährdungsbeurteilung von Mitarbeiterinnen im Mutterschutz. Bei den potenziellen Gefährdungen kann es sich um die Einrichtung des Arbeitsplatzes handeln, biologische, physikalische und chemische Einwirkungen sowie die Nutzung von Arbeitsmitteln. Allerdings kann auch eine mangelnde Qualifikation oder Probleme in den Arbeitsprozessen zu einem Risiko für deine Mitarbeiter werden. Schließlich müssen auch die psychischen Belastungsfaktoren analysiert werden. Bevor wir uns diese näher ansehen, wollen wir uns mit folgender Frage beschäftigen.

Die Gefährdungsbeurteilung ist die Basis für ein erfolgreiches betriebliches Gesundheitsmanagement. © Shutterstock, fizkes
Planung, Durchführung, Überprüfung: Mit diesen 7 Schritten wird die Gefährdungsbeurteilung ein Erfolg. © Shutterstock, fizkes

Wie erstellt man eine Gefährdungsbeurteilung?

Eine Gefährdungsbeurteilung für dein Unternehmen sollte in 7 Schritten erfolgen. Zunächst einmal ist es dabei wichtig, die Arbeitsbereiche und Tätigkeiten deiner Mitarbeiter festzulegen. Im nächsten Schritt musst du dann die Gefährdungen ermitteln, denen deine Mitarbeiter potenziell ausgesetzt sind. Danach beurteilst du diese Risiken und legst anschließend Schutzmaßnahmen fest. Im fünften Schritt müssen die Maßnahmen durchgeführt und anschließend auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Der letzte Schritt beinhaltet die Fortschreibung der Gefährdungsbeurteilung, denn es ist wichtig, die Aufrechterhaltung der Arbeitssicherheit und Gesundheit als kontinuierlichen Prozess zu betrachten. Wenn sich eine Gegebenheit ändert, müssen Gefährdungen eventuell neu evaluiert werden. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Gesetz erneuert wird oder es eine Veränderung in den Arbeitsbedingungen gibt.

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Seit wann werden psychische Belastungen in Betracht gezogen?

Bei fünf der sechs Gefährdungsfaktoren, die wir oben beschrieben haben, handelt es sich um solche, die einen Einfluss auf die physische Gesundheit deiner Mitarbeiter haben können. Mit der Einführung des Arbeitsschutzgesetzes im Jahr 1996 wurde auch die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung dieser Risikofaktoren zur gesetzlichen Pflicht für Arbeitgeber. Psychische Belastungsfaktoren werden allerdings erst seit dem Jahr 2013 in die Gefährdungsbeurteilung mit aufgenommen, also noch gar nicht besonders lange.

Wer dauerhaft zu viel arbeitet, gefährdet damit seine Gesundheit. © Shutterstock, fizkes
Bei der Beurteilung der psychischen Belastungen werden verschiedene Faktoren untersucht. © Shutterstock, fizkes

Welche psychischen Faktoren werden berücksichtigt?

Zunächst einmal ist es wichtig, zu wissen, wie psychische Belastungen überhaupt definiert werden. Laut DIN EN ISO 10075-1 lautet die Definition wie folgt: „Psychische Belastung ist die Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und diesen psychisch beeinflussen.” Auf den Arbeitsplatz bezogen bedeutet dies, dass die Arbeitsbedingungen dahingehend analysiert werden müssen, ob sie eine psychische Belastung für die Mitarbeiter darstellen könnten. Wenn du die Gefährdungen in deinem Unternehmen hinsichtlich der psychischen Belastungen untersuchst, gilt es folgende Faktoren zu beachten:

  1. Arbeitsinhalt beziehungsweise Arbeitsaufgaben

    Eine Ursache für psychischen Stress können die Arbeitsaufgaben darstellen. Wenn Mitarbeiter zu viele Aufgaben in kurzer Zeit erledigen sollen, sorgt das für Druck und das Gefühl, dem Pensum nur mit Überstunden begegnen zu können. Wird diese Art zu arbeiten zum Dauerzustand, wächst auch die psychische Belastung für deine Mitarbeiter.

    Wusstest du, dass es genauso problematisch ist, wenn sich Arbeitnehmer unterfordert fühlen? Wer den ganzen Tag lang nichts zu tun hat, verspürt irgendwann genauso eine psychische Belastung wie jemand, der überfordert ist. Als Begriff für diesen Zustand ist in Anlehnung zum “Burnout” das sogenannte “Boreout” entstanden.

  2. Arbeitsorganisation

    Auch die Organisation der Arbeit birgt Potenzial für psychische Belastungen. Ein möglicher Stressfaktor liegt hier in der Kommunikation. Besonders, wenn Mitarbeiter viel Kundenkontakt haben und oftmals aus ihren weiteren Tagesaufgaben herausgerissen werden, kann dies zu Stress führen. Generell ist es problematisch, wenn Prioritäten im Vorfelde nicht geklärt wurden und Mitarbeiter das Gefühl haben, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu müssen.

  3. Soziale Beziehungen

    Besonders zu beachten sind auch die sozialen Faktoren am Arbeitsplatz, denn hierbei gibt es viel Potenzial für Unmut, Frust und psychische Belastungen. Zum einen ist es wichtig, dass sich deine Mitarbeiter in ihrem Team wohlfühlen, da die wenigsten Arbeiten ausschließlich im Alleingang erledigt werden. Zum anderen ist gute Kommunikation ein zentrales Thema. Es ist wichtig, dass Mitarbeiter von Vorgesetzten oder dir als Arbeitgeber Feedback bekommen und für gute Arbeit auch einmal gelobt werden. Zu einer guten Kommunikation gehören darüber hinaus auch klare Arbeitsanweisungen und ein offener Umgang mit wichtigen Informationen.

  4. Arbeitsumgebung

    Da wir bei einem Vollzeitjob acht Stunden und länger an unserem Arbeitsplatz verbringen, ist die Gestaltung der Arbeitsumgebung ein weiterer wichtiger Faktor. Du solltest als Arbeitgeber darauf achten, dass sich deine Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Dazu gehört beispielsweise, dass die Räumlichkeiten angenehm temperiert sind und im Sommer eine Klimaanlage zur Verfügung steht, beziehungsweise alternative Lösungen angeboten werden.

Welche Folgen haben psychische Belastungen am Arbeitsplatz?

Wird psychischen Belastungen am Arbeitsplatz nicht entgegengewirkt, kann dies fatale Folgen für die Gesundheit deiner Mitarbeiter haben. Im schlimmsten Fall kann aus einem Gefühl von Stress auf Dauer ein Burnout werden, in dessen Folge ein Mitarbeiter lange Zeit arbeitsunfähig sein könnte. Außerdem können Anspannungen auf lange Sicht chronische Schmerzen auslösen. All dies sind gute Gründe, Risiken frühzeitig zu erkennen und etwas gegen diese zu unternehmen.

Kommunikation und ein regelmäßiger fachlicher Austausch: Das kannst du gegen psychische Belastungen unternehmen. © Shutterstock, fizkes
Als Arbeitgeber kannst du viel dafür tun, psychischen Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz entgegenzuwirken. © Shutterstock, fizkes

Was kannst und musst du als Arbeitgeber gegen psychische Belastungen tun?

Einige Aspekte haben wir bereits im Zuge der psychischen Belastungsfaktoren genannt. Trotzdem möchten wir dich an dieser Stelle noch einmal mit ein paar Tipps gegen psychische Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz versorgen.

  1. Kommunikation ist das A und O
    Rede mit deinen Mitarbeitern und ermutige sie dazu, mit dir oder anderen Vorgesetzten über Problematiken zu sprechen – seien es Unstimmigkeiten im Team, ein zu hohes Arbeitspensum oder persönliche Belange. Achte darauf, regelmäßig Feedback zu geben und den Raum für einen guten Austausch zu schaffen.
  2. Tausche dich mit dem Betriebsarzt und der FaSi aus
    Der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit stehen ebenfalls im Kontakt mit deinen Mitarbeitern und erfahren aus erster Hand, welche Problematiken und Sorgen bestehen. Auch wenn der Betriebsarzt natürlich einer Schweigepflicht unterliegt, könnt ihr euch über allgemeine Probleme und Risiken im Unternehmen austauschen und gemeinsam Lösungen finden.
  3. Sorge für eine gesunde Arbeitsumgebung
    Dein Ziel sollte es sein, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich deine Mitarbeiter wohlfühlen. Auch hierfür ist es wichtig, im Austausch zu sein und die Gestaltung der Räumlichkeiten so auszurichten, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden deiner Mitarbeiter gefördert wird. Ermutige deine Mitarbeiter, sich zwischendurch zu bewegen und in der Pause auch wirklich abzuschalten, um das Stresslevel zu senken. In diesem Beitrag erfährst du mehr über gesunde Büroarbeit.

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Wir von der Deutschen Mittelstandsschutz unterstützen dich und deine Mitarbeiter in allen arbeitsmedizinischen und arbeitssicherheitstechnischen Belangen und Fragen. Gerne helfen wir dir bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung und der Erbringung aller Maßnahmen zur betrieblichen Sicherheit.

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Beitragsbild: © Shutterstock, fizkes

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